Fingerweben : Schals & Tücher von Naoko Minowa aus dem Stiebner Verlag

fingerweben

Weben ohne großen Aufwand? Keinen Webstuhl anschaffen, sondern nur mit Wolle, einem Lineal und einer Wasserflasche – ob das gehen kann?

Eigentlich kann ich ja sagen, dass meine liebste Handarbeit das Stricken ist, aber manchmal muss es mal was anderes sein! Als ich vor einigen Wochen eine Strick-Zwangspause einlegen musste, kam es mir gerade recht, dass der Stiebner Verlag mir dieses Buch zur Rezension angeboten hat. An dieser Stelle auch gleich meinen herzlichsten Dank.

Weben ist ja schon eine tolle Sache. Man kann tolle Motive auf noch tolleren Stoffen herstellen, aber entweder man muss einen Riesen-Webstuhl erwerben, der in meinem Sofaeckenbüro überhaupt kein Platz hätte, oder man ist mit einem kleinen Webrahmen sehr eingeschränkt. Wie toll also, ohne große Investitonen zu weben und dabei tolle Schals, Tücher oder Decken herstellen zu können!

Das Buch von Naoko Minowa ist ursprünglich 2013 in Japanisch erschienen und wurde dann 2016 für den Stiebner Verlag aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

Es werden auf 104 Seiten nicht nur die Grundlagen des Fingerwebens erklärt, sondern auch gleich 18 tolle Modelle vorgestellt. Der Preis von 14,90 Euro ist eher im günstigen Preisniveau.

Nach einer kurzen Einleitung geht es auch gleich los und alle Modelle werden erstmal vorgestellt, man kann sich schon mal Lust auf das eine oder andere Nacharbeiten holen.

Erst dann folgt der Technikteil mit allen Infos, die man haben muss, ehe es losgeht. Angefangen bei den Arbeitsmitteln und Materialien, über zusätzliche hilfreiche Arbeitsmittel, bis zu den richtigen Garnen. Und es stimmt tatsächlich, man braucht außer Garn nur ein langes Lineal und eine Wasserflasche zum Beschweren.

Dann wird es spannend, die ersten Schritte werden erklärt und man bekommt eine Einweisung in drei verschiedene Techniken des Fingerwebens und wie man sein Webstück dann abschließt.

Erst danach folgt der Anleitungsteil mit den einzelnen Projekten. Die einzelnen Anleitungen sind sehr übersichtlich auf zwei Seiten angeordnet, mit Bild und genauer Angabe der benötigten Materialien. Im kurzen Anleitungstext wird dann auf die einzelnen Techniken im Technikteil verwiesen – was natürlich zu viel Blättern führt. Das sehr großformatige Diagramm ist leider nicht so aussagekräftig.

Nach einer kurzen Zusammenfassung der Techniken und einem übersichtlichen Inhaltsverzeichnis sind wir dann auch schon am Ende angelangt.

Das erste Durchlesen des Buches hat mich ziemlich gespannt aufs Ergebnis gemacht und gleich dazu verleitet, meine ersten Webversuche zu unternehmen. Meinen ersten Wunsch, gleich einen Schal in klassischem Hahnentrittmuster zu weben, habe ich dann doch zugunsten eines kleineren Übungsstückes verschoben. Das kann ich auch nur jedem empfehlen, der dieses Buch hat und das Weben ausprobieren möchte.

Der gut bebilderte Technikteil ist mit kurzen Erklärungen unterlegt und es schien mir ein Kinderspiel, das nachzuarbeiten. Überzeugt von meinen handarbeitlichen Fähigkeiten sollte mir das wohl leicht gelingen.

Leider musste ich nach kurzer Zeit genau an diesen Fähigkeiten zweifeln, denn so leicht wurde es mir nicht gemacht. Erst beim genauen Nacharbeiten stellte ich fest, dass in den Erklärungen doch einiges nicht erklärt war und so kam ich immer wieder an einen Punkt, wo ich dann einfach selber ausprobieren musste, wie es jetzt nun richtig zu sein scheint. Das machte die Nacharbeitung sehr mühevoll, so dass ich nach einiger Zeit dann doch kapitulierte und mein Fischgrätenschal nicht in Angriff genommen wurde. Bis jetzt! Ich schließe nicht aus, dass ich nochmal einen Angriff auf dieses Buch wage, würde aber vorher noch mehr Informationen zu den grundlegenden Techniken des Webens einholen. Ich denke, dass hier genau der Knackpunkt, bzw. der Punkt meines Scheiterns liegt. Ich hatte von Weben so viel Ahnung wie vom Fliegen eines Flugzeuges. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es einem die Arbeit sehr erleichtern würde, nicht das Fliegen, aber die genaueren Informationen zum Weben.

Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn Bücher mehrfach übersetzt werden müssen, um in deutsch verlegt zu werden, dann geht oft etwas verloren. So wird es sicher im japanischen Begriffe geben, die vielleicht schon eine komplexe Handlung ausdrücken und wenn man diese dann erst in englisch, wo es so etwas ja auch gibt, und dann in deutsch Wort für Wort übersetzt, gehen Kleinigkeiten verloren, die für die Nacharbeit wichtig sind. Oft werden solche Übersetzungen ja auch von Übersetzerbüros übernommen, die in ihrem Fach sicherlich top sind, aber vielleicht keine Ahnung vom Weben haben, so dass diese Fehler nicht auffallen, wenn man es nicht versucht nachzuarbeiten.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Buch wirklich sehr schön gemacht und das Thema auch sehr interessant ist, aber für jemanden, der handarbeitstechnisch nicht zwischen den Zeilen lesen kann und vom Weben nichts versteht, eher noch ungeeignet. Für all jene, die die Technik des Webens beherrschen, ist dieses Buch eine wunderbare Inspirationsquelle und verführt zum Nacharbeiten toller Modelle, auch meines Fischgrätenschals.

Wer nun neugierig geworden ist, der kann das Buch direkt beim Verlag, beim Bücherwurm oder beim örtlichen Buchdealer erwerben.  Auf der Verlagsseite lohnt sich auch noch ein genauerer Blick, denn die Handarbeitsbücher sind wirklich sehenswert!

Ich würde mich freuen wenn ihr mir erzählt wie es euch ergangen ist!

Es grüßt euch aus der Sofaecke

Heike

 

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