„Paranoia“ – von Patricia Cornwell

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Der 23. Kay-Scarpetta-Roman von Patricia Cornwell! Der Vorgänger konnte mich nicht überzeugen – ob der neue Band dies vermag? Einen Versuch ist es wert!

Schon in der Rezenion zu „Ihr eigen Fleisch und Blut“ habe ich euch von meiner Scarpetta-Sammlung erzählt und meiner Leidenschaft für diese Bücher vom ersten an. Dieses Buch hatte mich aber nicht wirklich überzeugen können und ich habe lange überlegt, ob ich Patricia Cornwell eine zweite Chance geben soll. Ich habe es getan, konnte ich doch meine Neugierde nicht besiegen.

An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an den Verlag Hoffmann und Campe, der mit dieses Buch freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat!

„Paranoia“ schließt in der Erzählung nur mit einer kleinen Lücke an das vorhergehende Buch an.

Als Kay Scarpetta an einem Tatort ist, um mit Pete Marino die Umstände des Todesfalles aufzunehmen, sind ihre Gedanken nicht bei der Sache und sie macht etwas, was der so perfektionistischen forensischen Gerichtsmedizinerin so überhaupt nicht ähnlich sieht. Sie bekommt einen Videoclip auf ihr Handy, von der Notfallnummer ihrer Nichte Lucy, und ist gefesselt von dem, was sie dort sieht. Alles um sie herum wird unwichtig und sie ist nicht mit voller Konzentration bei der Sache. Sie kann beobachten, wie ihre Nichte Lucy, in früheren Jahren, eine schwere Straftat begeht, gefilmt von der damaligen Geliebten Lucys, Carrie Grethen. Die gleiche, die  – Kays Meinung nach – den Überfall beim Tauchgang (siehe Band 22.) verübt hat, bei dem Kay schwer verletzt wurde; noch immer ist sie nicht wieder richtig hergestellt. Die gleiche Person, die die ganze USA für tot hält. Nur wenige nahestehende Personen glauben Kay, dass es Carrie Grethen war, die sie töten wollte. Kay ist wie gebannt von diesem Video und verhält sich auch für die umstehenden Personen sonderbar. Auch ihr früherer Chefermittler Marino findet das Verhalten seltsam, aber Kay kann sich niemanden offenbaren, denn das Video ist, nachdem es abgespielt wurde, verschwunden und doch äußerst brisant. Wem kann Kay überhaupt vertrauen, nagen doch starke Zweifel an ihr? Kann Kay dieses Video und die Tat, die man Lucy damit vorwerfen kann, wirklich verheimlichen, muss sie nicht als Justizangestellte diese Tat sofort anzeigen? Für Kay unvorstellbar, ist doch die schon von klein an eher exzentrische Lucy für sie wie ein eigenes Kind.

Man kann nicht behaupten, dass Lucy je eine gesetzestreue Bürgerin war, schliddert sie doch mit ihrem Vermögen und ihrer Intelligenz immer ziemlich nah an und oft auch schon mehrere Schritte über die Grenze der Legalität. Dieses Video würde sie in die Mühlen der Justiz bringen und das würde Lucy sicher nicht so einfach hinehmen.

Aber warum hat Lucy ihr dieses Video geschickt? Und hat es überhaupt wirklich Kays Nichte selber geschickt, oder hat sich jemand in Lucys Handy gehackt und damit das scheinbar unmögliche gemacht und das eigentlich unüberwindliche Sicherheitssystem der paranoiden Lucy geknackt? Das ist eigentlich nur einer Person zuzutrauen: Carrie Grethen!

Als auf Lucys Privatanwesen auch noch die gesammelte FBI-Armada auftaucht, das Haus vom Keller bis zum Dach umkrempelt und auch noch zusätzlich jeden Stein und Grashalm undreht, kommt Kay ein schlimmer Verdacht. Will jemand Kay und ihre Familie zerstören? Auch hier gibt es nur einen dem diese Tat zuzutrauen ist…

Als noch weitere Morde geschehen und sich die Situation immer mehr zuspitzt, wird es nicht nur für Kay ziemlich brenzlig.

Kann Kay Lucys Geheimnis verbergen und kann sie die Morde aufklären? Lebt Carrie Grethen wirklich noch und wer sind ihre Komplizen?

Kay Scarpetta wird alt und damit auch, meiner Meinung nach, ein bissel wunderlich! Von der toughen und selbstbewussten, gerechtigkeitsliebenden und so perfektionistischen Gerichtsmedizinerin ist nicht mehr viel übrig. Zurückgeblieben ist eine sehr angeschlagene, von Selbstzweifeln und Paranoia besessene Kay.

Leider konnte mich auch dieses Buch nicht überzeugen. Zwar ist es bei weitem nicht so „militärisch“ wie der Vorgänger, aber diese Mischung aus depressivem und paranoidem, gleichzeitig aber elitärem Verhalten der Hauptprotagonisten macht es doch schwer zu lesen. Die gesamte Handlung umfasst nur eine sehr kurze Zeitspanne und es sind viele lange Monologe, die Kay mit sich selber führt. Das ungeordnete Springen in den einzelnen Handlungssträngen und der für mich etwas wirre Schreibstil machen es zu einem Buch, welches man nicht mit viel Spannung und Genuss lesen kann, sondern es erfordert hohe Konzentration, hier den roten Faden zu behalten und nicht gleich mit Kay in Melancholie zu versinken. Sicher ist dieses Buch für Freunde sehr psychologisch geschriebener Thriller ein Lesegenuss, aber zu denen gehöre ich nicht. Im letzten Drittel des Buches kommt noch einmal die Spannung auf, die ich von so vielen durchlesenen Nächten mit einem Kay-Scarpetta- Buch in der Hand kenne; aber leider nur diese kurze Zeit, und man kann die Spannung nicht bis zum Ende halten.

Es gelingt nur wenigen Schriftstellern, eine Reihe über so viele Bände hinweg gleich gut und spannend zu halten. Irgendwann ist mal jede Tat begangen und jedes Wort geschrieben. Was man Patricia Cornwell bei weitem nicht vorwerfen kann, ist, dass sie spannende Handlungen einfach nur mit neuen Personen besetzt und immer wieder verwendet, so etwas wie literarisches Wiederkäuen. Vielleicht sollte auch eine Kay Scarpetta irgendwann einmal in Rente gehen dürfen und Patricia Cornwell lässt noch einmal eine neue Reihe entstehen, denn mal ganz ehrlich: Von ermittelnden Gerichtsmedizinern kann man sich im Buchladen doch eigentlich kaum mehr retten. Vielleicht gelingt es ihr ja, ebenso wie mit Kay Scarpetta, als erste eine ganz neue Ermittlergeneration zu erfinden. Aber auch Win Garano und Hammer, Brazil und West könnten nach all den Jahren einmal wieder entstaubt werden.

Da aber die Geschichte um Carrie Grethen noch nicht vollendet zu sein scheint, warten wir gespannt auf den 24. Kay Scarpetta, der im Oktober 2016 in englisch erschienen ist, und hoffen weiter.

Wer das Buch erwerben möchte, der kann dies direkt auf der Verlagsseite, beim örtlichen Buchhandel oder beim schon bekannten Bücherwurm.

Es grüßt euch aus der Sofaecke

Heike

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2 Gedanken zu “„Paranoia“ – von Patricia Cornwell

  1. Vielen Dank für deine Meinung über dieses Buch! Ich habe, so wie du, früher diese Reihe um Kay Scarpetta geliebt, die letzten Jahre aber keines mehr in der Hand gehabt! Irgendwann haben sie mich einfach nicht mehr überzeugt. Nun brauche ich auch diesen Teil nicht zu lesen!

    LG Edda

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