„Musikstadt Leipzig in Bildern“ – wieder ein schöner Bildband aus dem Lehmstedt Verlag

Braucht jemand noch schnell ein schönes Weihnachtsgeschenk? Dann bieten sich die Bücher aus dem Leipziger Lehmstedt Verlag auf jeden Fall an! Hier möchte ich euch den ersten Band der Reihe „Musikstadt Leipzig in Bildern“ vorstellen.

cimg4231

Der Lehmstedt Verlag wurde 2003 in Leipzig gegründet und verlegt hauptsächlich Werke zur Geschichte und Kultur Mitteldeutschlands – von hochwertigen Fotobänden über Biographien und Memoiren bis hin zu Reiseführern, wobei die Leipziger Stadtgeschichte natürlich im Mittelpunkt des Interesses steht.

Anlässlich des Jubiläums „1000 Jahre Leipzig“ im Jahre 2015 wurde mit der Edition eines mehrbändigen Werkes begonnen, das der Musikgeschichte der Stadt Leipzig von der Jungsteinzeit bis zur Gegenwart gewidmet ist. Während die ersten beiden Bände („Von den Anfängen bis ins 18. Jahrhundert“ und „Das 19. Jahrhundert“) bereits Ende 2014 erschienen sind, ist der dritte Band („Das 20. Jahrhundert“) für April 2017 angekündigt.

Die Bildauswahl für den hier vorliegenden ersten Band wurde von Michael Maul besorgt, der auch die begleitenden Texte verfasste und als Mitarbeiter des Bach-Archivs Leipzig ein ausgewiesener Kenner der Materie ist.

Die Idee hinter dem Werk besteht darin, die Musikgeschichte anhand von Dokumenten, Grafiken und Fotografien von Sachzeugen zu erzählen; dabei ist für jede der über 200 Abbildungen mitsamt den erläuternden Texten jeweils eine Seite reserviert. Auf eine Untergliederung des Inhaltes in Kapitel oder Abschnitte wurde zwar verzichtet, was das Buch insgesamt etwas unübersichtlich macht, aber es macht Spaß, einfach darin zu blättern und die Fülle an Informationen aufzunehmen, die hier geboten werden.

Für den Zeitabschnitt bis zum 18. Jahrhundert stehen natürlich keine zeitgenössischen Fotografien zur Verfügung. Bei den meisten Bildern handelt es sich daher um Reproduktionen von Gemälden, Grafiken, Drucken, Briefen und natürlich Notenblättern. Hinzu kommen einzelne Abbildungen historischer Musikinstrumente.

Während für die Glanzzeit der Musikstadt Leipzig, das 19. Jahrhundert, das Gewandhausorchester und Namen wie Felix Mendelssohn-Bartholdy, Robert und Clara Schumann, Richard Wagner und Arthur Nikisch stehen, ist die Zeit davor – von Johann Sebastian Bach natürlich abgesehen – im Gedächtnis der Stadt deutlich weniger präsent. Man weiß zwar, dass der Thomanerchor als einer der ältesten Knabenchöre überhaupt gilt und dass zu verschiedenen Gelegenheiten die Stadtpfeifer aufspielten, viel mehr aber in der Regel nicht. Um so interessanter ist es, neue Facetten der Leipziger Musikgeschichte zu entdecken.

So erfährt man, dass Hartmann Schedel nicht nur als Verfasser der berühmten Weltchronik von 1493 hervorgetreten ist, sondern als Student in Leipzig ein Liederbuch anlegte, das heute zu den bedeutendsten Quellen spätmittelalterlicher weltlicher Musik zählt (S. 14). Und wer hätte gedacht, dass das älteste erhaltene deutsche Cembalo bereits 1537 von Hans Müller in Leipzig gebaut wurde (S. 28)?

Von 1594 bis 1615 fungierte Seth Calvisius als Thomaskantor (S. 36 ff.); der heute weitgehend vergessene Universalgelehrte veröffentlichte nicht nur ein bedeutendes Kirchengesangbuch und musiktheoretische Werke, sondern berechnete auch in jahrelanger mühsamer Kleinarbeit, an welchem Tag Gott die Erde geschaffen hatte – nämlich am 26. Oktober des Jahres 3947 vor Christi Geburt. Berühmtester Schüler Calvusius‘ war wiederum Johann Rinckart, der als Verfasser des Chorals „Nun danket alle Gott“ bekannt geworden ist (S. 40).

Als Buchhandelsmetropole war Leipzig auch Mittelpunkt des Handels mit Liederbüchern und Musikalien. 1697 erschien in Leipzig ein achtbändiges Gesangbuch mit mehr als 5000 geistlichen Liedern! Anonymer Herausgeber war der langjährige Bürgermeister Paul Wagner, der seines tugendhaften Lebenswandels wegen von seinen Zeitgenossen auch der „Jesus von Leipzig“ genannt wurde (S. 95).

Ein großer Teil des Buches ist natürlich Johann Sebastian Bach gewidmet, der seit 1723 als Thomaskantor in Leipzig wirkte und dieses Amt bis zu seinem Tode im Jahre 1750 bekleidete (S. 133 ff.). Wir erfahren einiges über seine Tätigkeit als Leiter der Leipziger Kirchenmusik, aber natürlich auch über seine Kompositionen und sein häusliches Leben – immerhin zeugte er 13 seiner 20 Kinder in Leipzig!

Die wenigen genannten Beispiele mögen die Vielseitigkeit des vorliegenden Werkes verdeutlichen. Hinzu kommt, dass es durchaus kurzweilig geschrieben ist und weder Layout noch Druck- und Bindequalität Wünsche offen lassen, so dass der Preis von 24,90 Euro durchaus angemessen ist. Das Fazit daher: Wieder ein sehr schönes Buch aus dem Lehmstedt Verlag!

An dieser Stelle herzlichen Dank an den Verlag, der uns das Buch für die Rezension zur Verfügung gestellt hat!

Erhältlich ist es – wie natürlich auch alle anderen Verlagserzeugnisse, stöbern lohnt sich! – im gut sortierten Buchhandel.

Es grüßt euch vom Schreibtisch

Frank

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s