Wiederum enttäuschend: Der aktuelle Falkplan von Leipzig

Auch die 2016 erschienene 20. Auflage des Falk-Stadtplans Leipzig kann weder, was die kartographische Darstellung betrifft, noch hinsichtlich der Aktualität befriedigen. Schade!

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Der Falk-Verlag wurde im Jahre 1945 in Hamburg gegründet und entwickelte sich binnen weniger Jahre zum Marktführer für Stadtpläne in Europa. Entscheidend dafür waren vor allem zwei Innovationen: Die „Patentfaltung“ (heute als Falk-Faltung bekannt), die es erlaubt, den Plan wie ein Buch zu betrachten; und die Hyperboloid-Projektion, bei der der Maßstab von innen nach außen abnimmt, so dass das Stadtzentrum größer dargestellt wird. Inzwischen gehört der Falk-Verlag zum Marktführer für touristische Literatur und Kartographie, MairDumont; die meisten Pläne haben statt der Falk-Faltung die Leporello-artige Standardfaltung und sind in einheitlichem Maßstab gestaltet, aber noch immer hat die Marke Falk in Deutschland einen guten Klang.

Der erste Leipzig-Stadtplan erschien bereits 1981, wobei die kartographische Grundlage vom VEB Tourist Verlag bereitgestellt wurde. Nach der Wende erfolgte durch den Falk-Verlag eine kartographische Neubearbeitung; 1991 erschien dann erstmals der „Falkplan Leipzig Extra“ (mit Standardfaltung). 1997 erfolgte die Umstellung auf die bis dahin vom RV Reise- und Verkehrsverlag benutzte GeoData-Kartographie, und seit 2008 wird – farblich modifiziert – die Kartographie des ebenfalls zu MairDumont gehörenden ADAC-Verlags verwendet.

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Falkplan Leipzig, 1. Auflage 1981 sowie Falkplan Leipzig Extra, 1. Auflage 1991 und 20. Auflage 2016

Wie hier nachzulesen ist, konnte uns der 2015 erschienene ADAC-Stadtplan Leipzig in mehrfacher Hinsicht nicht befriedigen, und da die Kartengrundlage im wesentlichen dieselbe geblieben ist, treffen die entsprechenden Kritikpunkte (die hier nicht im einzelnen wiederholt werden sollen) auch für den Falk-Stadtplan zu.

Was nun speziell die Aktualität des Plans betrifft, ist leider nicht wirklich ein Fortschritt zu verzeichnen. Zwar wurden hier und da Einzelheiten nachgetragen und berichtigt, aber noch immer sind die vor mehr als 15 Jahren geschlossenen Konsulate von Frankreich und Polen eingezeichnet, fehlt die Postfiliale am Brühl, sucht man vergebens nach der Spinnerei oder dem Stadthafen. Obwohl auf der Rückseite des Stadtplans das Liniennetz der Leipziger Verkehrsbetriebe nach dem Stand vom November 2015 abgedruckt ist, wurden die entsprechenden Änderungen (so die Einstellung der Straßenbahn nach Markkleeberg-West) nicht in den Plan eingearbeitet. Immer noch falsch eingezeichnet sind die S-Bahnhöfe Leutzsch und Völkerschlachtdenkmal, und selbst das Hauptstraßennetz weist grobe Fehler auf: So verläuft die Bundesstraße 6 noch immer über die Georg-Schumann-Straße (anstatt über Max-Liebermann-Straße und Maximilianallee), ist die mittlerweile verkehrsberuhigte Gustav-Adolf-Straße noch als Durchgangsstraße markiert, während Zöllnerweg und Emil-Fuchs-Straße als Nebenstraßen deklariert sind; etc. pp.

Es wurde oben bereits erwähnt, dass für den Falk-Stadtplan Leipzig seit 2008 die ADAC-Kartographie verwendet wird. Wie ein Vergleich der 1. Auflage des ADAC-Stadtplans von 1995 mit dem aktuellen Plan zeigt, tauchen etliche grobe Fehler bereits 1995 auf (u. a. „Reformkirche“ statt Reformierte Kirche; Versöhnungskirche und Monarchenhügel sind falsch eingezeichnet; „Pädagogische Hochschule“ statt Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Uni Leipzig), was eigentlich nur den Schluss zulässt, dass die Kartengrundlage seit mehr als 20 Jahren nicht mehr grundlegend überarbeitet und aktualisiert wurde. Je mehr Zeit ins Land geht, umso größer wird nun natürlich die Diskrepanz zwischen Karte und Ist-Zustand, wenn – wie offensichtlich in diesem Fall – mit den Aktualisierungen sehr schlampig verfahren wird. Letzteres ist umso befremdlicher, als der Abgleich mit der Realität in Zeiten von Google, OpenStreetMap etc. einfacher denn je sein sollte.

Natürlich erwachsen den klassischen Kartographieverlagen durch die immer weitere Verbreitung von Google Maps, Navigationssoftware und ähnlichen Anwendungen erhebliche ökonomische Schwierigkeiten. Daraufhin nun aber an der Qualität der Kartographie zu sparen, ist sicherlich der falsche Weg, wird der Trend zum Sinken der Absatzzahlen doch dadurch noch einmal verstärkt.

Empfehlenswerter als die Falk- oder ADAC-Stadtpläne sind der Pharus-Plan (der allerdings nur einen Teil des Stadtgebietes abdeckt) oder die Stadtpläne aus dem Verlag Dr. Barthel, die im übrigen auch deutlich preiswerter sind.

Es grüßt euch vom Schreibtisch

Frank

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