„Don Quijotes Schwester“ – ein Buch von Root Leeb

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Es war der Hahn, der AnnaRosas Leben so nachhaltig beeinflusst haben sollte! Seit dieser Begegnung stand sie ein für Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und das Gute im Menschen, wie ihr Bruder im Geiste Don Quijote!

AnnaRosa ist ein besonderer Mensch! Schon seit ihrer Kindheit hat sie sich anders verhalten, als es die Gesellschaft so erwartete. Ihren Eltern machte sie damit das Leben nicht unbedingt leichter und diese stellten sich immer wieder die Frage, was sie wohl gerade bei AnnaRosa falsch gemacht haben könnten. Warum war sie nicht so angepasst wie ihre große Schwester Melissa? Schon der Name unterscheidet beide; Melissa heißt nicht jeder, aber Annarosa? So fand Annarosa, dass es nur gerecht sei, ihr ein Alleinstellungsmerkmal zu verpassen, und so wurde aus Annarosa AnnaRosa mit großem R. Das eigentümliche Verhalten AnnaRosas führte sie schon in der Jugend zu ihrem ersten Psychiatrieaufenthalt, dabei war sie doch eigentlich garnicht anders, sondern nur menschlich?!

Es war die Begegnung mit dem Hahn an ihrem fünften Geburtstag, die so traumatisch endete. An diesem Tag schwor sich AnnaRosa, sich von ihren Gefühlen, ihrer Empathie und ihrem unerschöpflichen Optimismus leiten zu lassen. Sie wollte die Menschen kennenlernen, um sie zu verstehen und dabei trieb es sie unermüdlich an, das Leben so zu ändern, dass es in ihren Augen zu einem besseren wurde. Helfen und für andere da zu sein steht bei ihr an erster Stelle.

Allerdings gilt das nicht für ihre Familie; von dieser isoliert sie sich zunehmend und ihre Helferfunktionen kann sie nicht zu ihren Eltern transportieren. Waren es doch ihre Eltern, die sie damals in die Psychiatrie gegeben haben und die quer durchs Land nach Wuppertal zogen, um dieser Schande zu entfliehen. AnnaRosa kann nicht verzeihen.

Melissa, ihre Schwester, wurde vielleicht genau deshalb Psychologin, weil ihre kleine Schwester doch so ganz anders war und das doch für alle so unverständlich war. Melissa ist so etwas wie die „Gute Fee“ in AnnaRosas Leben. Sorgt sie doch oft dafür, dass doch noch etwas Bodenhaftung bleibt und AnnaRosa so manche ihrer Aktionen mit einem blauen Auge übersteht. Selbst als Melissa nach ihrem Studium in eine weit entfernte Stadt zieht, ist sie häufig doch dort, wo auch AnnaRosa ihr Studium absolviert und versucht, die Menschheit zum Guten zu wenden.

Bruno, AnnaRosas Archäologieprofessor, ist einige Jahre älter als AnnaRosa und auch um einiges konservativer, liebt sein gutes Leben und seinen Porsche. Für AnnaRosa ist schon der Porsche ein völlig überflüssiges Statussymbol. Und doch entspinnt sich eine romantische Verliebtheit. Bruno ist mit AnnaRosas vielfältigen „Rettungsaktionen“ mehr als überfordert und AnnaRosa sind Brunos Lebensziele und sein Angepasstsein so völlig fremd. Doch lassen sich beide aufeineander ein und beginnen sich zu verändern. Aber kann das gut gehen? Können sich zwei so gänzlich unterschiedliche Lebensweisen zu einem Ganzen verbinden? AnnaRosas und Brunos Leben geraten ziemlich durcheinander und alles gipfelt in einer schwerwiegenden und auch tragischen Entscheidung.

Dieses Buch hat mich sehr berührt. Die Geschichte AnnaRosas, erzählt von ihrer Schwester, zeigt, wie schnell man sich doch den Stempel „seltsam“ abholen kann, wenn man für seine Ideale und Ziele einsteht und dafür kämpft, das eigene Leben so völlig aus den Augen verliert und der Gedanke immer nur bei der nächsten Aktion ist, die geplant und durchgeführt werden muss. AnnaRosa ist ein Mensch, der unaufhörlich das Gute sucht, auch wenn es auf Kosten des eigenen Lebens geht.

Ein Buch voller Sehnsücht, Träume, Lebhaftigkeit und Andersartigkeit! AnnaRosa macht schon ziemlich seltsame Dinge, aber gerade das macht sie so unglaublich liebenswert und man leidet mit ihr mit, wenn alles nicht so läuft, wie sie es sich ausgemalt hat. Der Kummer Melissas um die Andersartigkeit ihrer geliebten kleinen Schwester ist für den Leser förmlich greifbar. Auch der doch so konservative Bruno zeigt sich uns von seiner verletzlichen Seite.

Am Ende können alle nicht wirklich raus aus ihrer Haut und das macht alles so schwierig.

Root Leeb ist nicht nur eine wunderbare Schriftstellerin, sondern auch eine bekannte Malerin und Illustratorin. Nicht nur ihre eigenen Bücher sind von ihr illustriert, sondern auch andere bekannte Autoren lassen nur zu gerne ihre Bücher von ihr illustrieren. Auch ihr Ehemann, der bekannte Schriftsteller Rafik  Schami, setzt in seinen Werken auf die Illustrationen seiner Frau. Nach dem Studium der Gemanistik, Philosophie und Sozialpädagogik unterichtete sie mehrere Jahre Deutsch als Fremdsprache, ehe sie in München sechs Jahre als Straßenbahnfahrerin arbeitete. Jetzt lebt sie mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn in Rheinland-Pfalz.

Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse durfte ich diese ganz besondere Schriftstellerin kennenlernen. Ich hatte bis zu dem Treffen nur dieses eine Buch von ihr gelesen, welches mit ja sehr gefesselt hat. Keines ihrer weiteren Werke kannte ich bis dahin und war dementsprechend aufgeregt. Aber all meine Nervosität war verflogen, als ich der sympathischen Frau gegenüberstand und als wir ein ruhiges Plätzchen gefunden hatten, entspann sich sehr schnell ein hochinteressantes Gespräch. Ich habe Frau Leeb einige Fragen stellen können und möchte euch hier ein bissel darüber erzählen.

Als ich mir überlegte, was ich denn unbedingt bei dem Treffen erfahren wollte, wollte ich zunächst wissen, wie man auf den Gedanken kommt, so ein Buch  zu schreiben. Drei so unterschiedliche Charaktere und drei völlig unterschiedliche Erzählweisen: Dafür müsste man doch ein Vorbild haben. Aber dieses verneinte die Autorin und meinte, dass die Gesellschaft viele Beispiele liefert, wo Menschen sich engagieren und aufopfern und dabei ihr eigenes Leben vergessen. Der Rest kommt dann wie von selbst und ist reine Fiktion.

Gebürtig komme ich ja aus dem Oberbergischen Kreis, also nicht ganz so weit weg von Wuppertal, dem Ort, wo AnnaRosas Familie hinzieht und sie einen großen Teil ihres Lebens verbringt. Wuppertal ist jetzt nicht gerade der Nabel der Welt, deswegen wunderte ich mich darüber. Root Leeb hat ganz bewusst diesen Ort ausgesucht und ihn auch aus Recherchegründen besucht. Der Ort ist sinnbildlich für die Vielschichtigkeit AnnaRosas. Auch Wuppertal ist etwas besonderes mit seiner Schwebebahn, Pina Bausch und dem wunderschönen Skulpturengarten, den AnnaRosa besonders mag, also ebenfalls vielschichtig, aber nicht auf den ersten Blick!

Was mich als Leser immer interessiert, ist, ob denn so ein Buch nacheinander von Seite eins bis zum Ende geschrieben wird, oder ob man wie hier die drei Erzählstränge nacheinander schreibt. Aber hier ist die Autorin ganz konsequent und schreibt alles der Reihe nach, so wie es der Leser auch später in den Händen hält.

Stichwort: Schreibritual. Ich bin nun jetzt keine Schriftstellerin aber auch ich habe mittlerweile besondere „Macken“, wenn ich loslege. Einen Kaffee oder Tee muss ich haben und am liebsten irgendwas zum Knabbern nebenher. Schreiben kann ich ausschließlich an meinem Laptop und am besten am Schreibtisch mit viel Platz um mich herum. Was nicht immer gegeben ist 😉 Root Leeb hat wenige Rituale. Am liebsten schreibt sie morgens und wenn die Idee mal hakt, dann findet sie die Inspiration in der Bewegung. Da sie ja auch immer noch andere Projekte hat, geht aber ein Abgabetermin strikt vor!

Zur Entspannung zeichnet sie, trotz oder eben wegen ihres beruflichen Zeichnens, sehr gerne. Außerdem macht sie wunderschöne Figuren aus Papier. Auf ihrer Website kann man sich viele wunderschöne Sachen anschauen, die sie gemacht hat. Besonders beeindruckt haben mich ihre Bilder mit so wunderschönen und harmonischen, aber kräftigen Farben! Es lohnt sich mal einen Blick dorthin zu werfen!

Die Interviewzeit war so schnell vorbei und wenn die Buchmesse an diesem Tag nicht ihre Tore hätte schließen wollen und wir beide nicht noch Termine gehabt hätten, ich hätte noch stundenlang weiter plaudern können.

Wenn ich euch nun neugierig gemacht habe: Das Buch ist bei ArsVivendi erschienen, an dieser Stelle meinen herzlichen Dank für das Buch und die Gelegenheit zu dem schönen Interview!

Wer es erwerben möchte, der kann dies beim Bücherwurm tun oder bei seinem lokalen Bücherdealer!

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir erzählt, wie es euch gefallen hat!

Es grüßt euch aus der Sofaecke

Heike

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