„Shetland Lace – Zauberhafte Strickspitzen“ – ein wunderschönes Buch von Elizabeth Lovick

Shetland Lace

Das Mysterium des Spitzenstrickens! Viele Stricker und Strickerinnen bekommen bei dem Wort Lace gleich glasige Augen, aber es gibt auch sehr viele, die gleich in Panik verfallen und sich an Löcher & Co. nicht wirklich heran trauen. Das soll sich ändern! 🙂

Was gibt es nur für viele wunderschöne Tücher mit zauberhaften filigranen Lacemustern! Loch an Loch und hauchdünnes Garn. Für viele eine gewohnte Arbeit nebenbei und für viele ein nicht zu erreichender Traum. Das Jonglieren mit Umschlägen, verschränkt Zusammenstricken, Abheben und Überheben ist nicht jedem gleich auf Anhieb sympathisch, wenn auch das Ergebnis oft das Objekt der Begierde ist.

Elizabeth Lovick hat mit „Shetland Lace – Zauberhafte Strickspitzen“ ein Buch erschaffen, das mit dem Mythos „Zum Lacestricken muss man geboren sein und das kann wirklich nur ein Profistricker“ aufräumt. Das Buch ist so aufgebaut, dass man sich systematisch durcharbeiten kann und die Kunst des Spitzenstrickens ist dann nicht mehr so schwer.

Das Buch ist im Stiebner Verlag erschienen, dem ich an dieser Stelle auch herzlich für das Zurverfügungstellen des Buches danke. Es kostet 19,90 Euro, diese lohnen sich aber wirklich, wenn man diese Technik erlernen will.

Elizabeth Lovick ist eine bekannte Strickdesignerin, die auf der kleinen Orkney-Insel Flotta wohnt. Seit ihrer Kindheit ist sie schon dem Klappern der Nadeln verfallen und entwirft schon sehr lange Muster zum Spitzenstricken. Mehrere Bücher von ihr sind schon erschienen und einzelne Muster sind auch auf Ravelry erhältlich. Wer mehr über diese sympathische Strickerin erfahren möchte, kann sich mal auf ihrer Website umschauen.

Nun aber zum Buch. Es ist nicht ganz DIN A4 groß und hat ein Softcover. Schon beim Blick auf das Cover bekommt man Lust, ebenfalls so ein zartes Tüchlein anzufertigen.

Nachdem man das Buch aufgeschlagen hat, bekommt man zuerst einen kleinen Überblick, wie das Buch aufgebaut ist und was einen erwartet.

Nun macht man einen kleinen Ausflug auf die Shetland Inseln, die im Nordatlantik zwischen Norwegen, Schottland und den Färöern liegen. Die Inseln gehören zu Schottland und haben eine Fläche von ca. 1426km², wobei etwa 970km² auf die Hauptinsel Mainland entfallen.

Die Autorin erzählt uns die Geschichte des Shetland Lace und wie es sich im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat. So gibt es schon seit vielen, vielen Jahren eine Tradition auf der Insel Unst (nördlich von Mainland). Dort strickt man Wedding Shawls. Die Tücher sind etwa 2 mal 2 Meter groß und so hauchdünn, dass man sie durch einen Ehering ziehen kann. Einer Legende nach soll es früher wohl so gewesen sein, dass ein Mädchen erst dann ihren zukünftigen Ehemann heiraten durfte, wenn sie diesen Schal fertig gestrickt hatte. Wenn man schon einmal Lace gestrickt hat, so weiß man, dass hier ein paar Zentimeter ewig dauern können, nicht auszudenken wie lange 2 mal 2 Meter dauern! Das Spitzenstricken war auf den Shetlandinseln seit jeher die beste Art, mit möglichst wenig Materialkosten einen guten Gewinn zu erzielen. Der Materialpreis war gering, weil die meisten Bewohner ihr Schafe selber züchteten und so die Wolle gleich hinter dem Haus auf der Weide „wuchs“. Die für so filigrane Spitze notwendige feine Wolle gewinnt man, indem man die zarte Wolle am Hals des Schafes verspinnt. Diese wird nur ausgekämmt und das Schaf muss nicht geschoren werden. So braucht es allerdings auch seine Zeit, bis die Wolle für z.B. einen Wedding Shawl gesponnen ist. Heute stricken wir uns solche wunderbaren „Gespinste“ nicht mehr um Geld damit zu verdienen, sondern weil wir Spaß daran haben und Stricken ein wunderbares Mittel ist, welches nachweislich Stress abbaut. Auch müssen wir heute nicht mehr wochenlang Schafshälse kämmen und zu feiner Wolle verspinnen, sondern wir gehen ein bissel im World Wide Web spazieren und finden wunderbare Händler, die zarte Wolle unterschiedlicher Herkunft anbieten.

Nach dieser kleinen Reise in die Geschichte folgt ein großes Kapitel über das Grundwissen. Hier erfähr man alles über die benötigten Materialien, die Grundtechniken, wie man eine Strickschrift liest, Ränder und Nähte (diese müssen bei so einem feinen Tuch ja gerade zu unsichtbar sein), Das Anstricken der Maschen an ein vorhandenes Strickstück (z.B. Bordüren), wie man Fehler korrigieren kann und wenn das Wunder endlich vollbracht ist, wie man es spannt. Aber auch wie man einen Laceschal selber entwerfen kann, wird hier erklärt, und wie man welche Muster miteinander kombinieren kann. Kompakt wird auf, wie ich finde, erstaunlich wenig Seiten erstaunlich viel Wissen vermittelt.

Nach diesem Kapitel kann man nun fast schon loslegen. Es fehlen noch Muster, die nun genau erklärt werden: Welche Muster eignen sich für welches Teil an meinem neuen Strickstück, welche eher am Rand, welche eher als Mittelstück oder Bordüre. Die einzelnen Muster werden genau erklärt und pro Muster gibt es ein Bild, wie es gestrickt aussieht, eine geschriebene Anleitung und eine Strickschrift, also Zählmuster. Es wird für jedes Muster auch nochmal erklärt, welchen Schwierigkeitsgrad es ungefähr hat und wo sich dieses Muster am besten macht. Sowohl die Strickschriften als auch die geschriebenen Anleitungen sind genau und logisch aufgebaut und die Muster lassen sich somit leicht nachstricken. Einige erfordern mehr Konzentration, andere weniger. Aber es ist sowohl für den blutigen Anfänger als auch für den Profi etwas dabei. Der Musterteil ist das größte Kapitel im Buch.

Wer sich nun doch noch nicht an eine eigene Kreation herantraut oder sich die Arbeit nicht machen möchte, der hat im letzten Kapitel die Wahl zwischen sieben Projekten, die er gleich beginnen kann. Es ist ein kleine, aber feine Auswahl wie man Lace einsetzen kann. Es gibt eine hauchzarte Stola, Mütze und Schal, ein Schultertuch, ein zauberhaftes Baby-Set mit Mütze, Jäckchen und Schühchen, fingerlose Handschuhe, Zehn-Maschen-Strümpfe und eine grandiose Halbmondstola. Hier wird auch nochmal deutlich, das Lace heute nicht mehr nur mit hauchzartem Garn verstrickt wird, sondern auch mit dickerer Wolle, z.B. als Mütze und Schal, sehr schön aussieht.

Zum Schluss folgen dann noch das Register, eine Liste mit Abkürzungen und Symbolen und ein kurzer Dank der Autorin und eine Quellenangabe.

Dieses Buch ist eine gelungene Einführung in das Spitzenstricken, aber auch eine Inspirationsquelle für alle die, die zwar schon Lace-Anleitungen gestrickt haben, aber sich gerne mal ihr eigenes Strickstück designen wollen. Die vielen Muster sind ein Schatz der Ideen! Es ist logisch aufgebaut und sehr gut erklärt. Ich finde, dieses Buch sollte in keiner Strickbibliothek fehlen, wenn man eine Schwäche für feine Muster hat! Einige der Muster lassen sich auch toll in Socken verstricken!

Ich selber habe nun aus Zeitmangel nicht ein komlettes Tuch nachgestrickt oder entworfen, sondern mich von einer einfachen senkrechten Lochmusterreihe inspirieren lassen und einen feinen Laceschal für den Frühling entworfen: „Lavendel küsst den Frühling“ stelle ich euch in einem anderen Beitrag vor.

Wen ich nun neugierig gemacht habe, der kann das Buch bei seinem örtlichen Buchdealer, auf der Verlagsseite oder beim Bücherwurm kaufen.

Habt ihr schon einmal Lace gestrickt? Erzählt mir davon! 🙂

Es grüßt euch aus der Sofaecke

Heike

 

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2 Gedanken zu “„Shetland Lace – Zauberhafte Strickspitzen“ – ein wunderschönes Buch von Elizabeth Lovick

  1. Wow danke für die ausführliche Beschreibung des Buches . Ich habe mich schon öfters an Lace Stricken versucht bin aber immer noch kein Fan davon geworden . Zumal mit ganz feiner Wolle das bei mir immer aussieht wie Knoten an Knoten und nicht gerade Edelstrickwerk . Aber ich werde mir das Buch mal genauer ansehen dank dir LG Caro

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