„Sommer der Wahrheit“ – von Nele Löwenberg

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Nele Neuhaus schreibt als Nele Löwenberg! Warum eigentlich? Denn verstecken muss sie sich mit ihrem Buch über das Mädchen Sheridan Grant eigentlich nicht!

So viele erfolgreiche Autoren schreiben Bücher, die vom Genre her nicht ihren Bestsellern gleichen, unter einem anderen Namen. Hat nicht jeder den Eklat mitbekommen, als ein kleiner Rechtsanwalt ausplauderte, dass J.K. Rowling als Robert Galbraith einen Krimi veröffentlicht? Es scheint fast zum „guten Ton“ zu gehören, als erfolgreicher Schriftsteller ein Pseudonym zu haben.

Nele Neuhaus uns allen mehr als bekannt durch ihre viele Kinder- und Jugendbücher, besser aber noch durch ihre Taunus-Krimi-Reihe um das Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff, welche das ZDF auch schon verfilmt hat. Warum also für einen so ganz anderen Roman einen anderen Namen wählen? Auf ihrer Website erklärt es Nele Neuhaus damit, dass der Name Nele Neuhaus doch sehr mit den Taunus-Krimis verbunden ist und sie für dieses Buch einen Namen haben wollte, der nicht gleich alle Krimi-Fans zum Kaufen verführt und diese zuhause auf dem Sofa feststellen, dass es kein Kirchhoff-Bodenstein-Krimi ist. Löwenberg ist der Mädchenname von Nele Neuhaus. Verstehen kann man das schon, aber eigentlich liest man gleich auf dem Klappentext, dass es sich NICHT um einen Krimi im Taunus handelt, denn meines Wissens ist Nebraska ziemlich weit vom Taunus entfernt und das ist das erste Wort des Klappentextes. Eigentlich ist es aber auch egal, nur für diejenigen wird es schwierig, die ihr Bücherregal nach Autoren UND nach dem Alphabet geordnet haben, die können nämlich dann eigentlich die Löwenberg-Bücher nicht neben die Neuhaus-Bücher stellen. Schwieriges Problem! Einzige Lösung scheint hier zu sein, alle Autoren mit dem Anfangsbuchstaben „M“ aus dem Regal zu verbannen 😉

Jetzt aber mal zum Buch!

Das Buch ist als Taschenbuch im Ullstein Verlag erschienen, der mir das Buch auch freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Dafür an dieser Stelle meinen herzlichen Dank. Bei einem Preis von 9,99 Euro bewegt es sich im mittleren Preissegment.

Das Cover kommt schon ein wenig mysthisch und unheimlich daher, mit dem strahlend hellen Fenster in dem sonst finster wirkenden Haus und der finsteren Umgebung. Nur die roten Mohnblumen im Vordergrund bringen einen Farbklecks ins Bild, der aber eher nicht beruhigend wirkt. Hier könnte man eher den Krimi hinter vermuten, als hinter dem Namen Neuhaus.

Fairfield in Nebraska 1994

Die junge Sheridan Grant erlebt auf der Farm ihrer Adoptiveltern eine eher anstrengende Kindheit. Die Mutter führt eine strenge Hand, der Vater ist viel beruflich unterwegs, auch gehört es schon früh für Sheridan dazu, auf der Farm und im Haushalt zu helfen. Für die beiden ältesten, leiblichen Söhne gilt das gleiche, die Farm geht vor alles andere, auch vor Vergnügen. Nur der jüngste Sohn gilt als das Lieblingskind der Mutter und ihm stehen viele Privilegien zu, die allen anderen nicht gewährt werden. Dazu ist er noch bösartig und gemein gegenüber seiner Adoptivschwester. Sheridan nimmt alles so gut wie klaglos hin, sie hat zeitig gelernt, dass Widerworte und Protest ihr nicht weiter helfen. Träumt sie doch davon, diesem allem zu entfliehen und sobald die Schule abgeschlossen ist Nebraska zu verlassen und eine Karriere als Sängerin zu beginnen.

In der Schule muss sie sich nicht anstrengen und bekommt auch so sehr gute Noten. Die Musiklehrerin stellt fest, dass in ihr sehr wohl ein Gesangstalent schlummert. Das bestärkt Sheridan immer mehr darin, nach der Schule wegzugehen. In der hübschen und so klugen jungen Dame schlummert aber mehr. Der Wunsch nach einer Gesangskarriere ist nur das eine, versteckt in ihr ist der Wunsch nach Anerkennung und Liebe. Dieses alles bekommt sie zuhause nicht. Ihr Vater ist nun noch weniger zu Hause und ihre Mutter drangsaliert sie mit einer wahren Freude bis aufs Blut. So versucht sie alles was in ihrer Macht steht zu tun, um zu verhindern, dass ein Musical in der Schule aufgeführt wird, an dem Sheridan massgeblich beteiligt ist. Für sie scheint eine Welt zusammenzubrechen.

Schnell stellt sie in ihrem jungen Leben feste, dass sie mit ihrem Körper und ihren fraulichen Reizen fast jeden Mann manipúlieren kann. So lässt sie sich immer häufiger mit Männern ein und wickelt sie um den Finger. Von Liebe kann man hier nie sprechen, auch wenn das so manches männliche Wesen anders sieht. Erst als der neue Pfarrer ins Dorf mit seiner Familie einzieht und mit einer sehr strengen, fast fanatisch gläubigen Hand seinen Schäfchen den Weg weist, merkt Sheridan, dass es Männer gibt die ihr gewachsen sind und mit denen sie etwas anderes verbindet als mit allen anderen bisher.

In diesem Sommer entdeckt Sheridan auch ein lange gehütetes Familiengeheimnis und ist mehr als schockiert, als sie herausfindet, wer ihre Mutter ist.

Als dann in einer Halloweennacht etwas schier unbegreifliches für Sheridan passiert, scheint ihr Leben nicht mehr das zu sein, was es einmal war, und so sehr sie sich auch anstrengt, es wird nie wieder so sein wie es gewesen ist.

Wird Sheridan das Geheimnis um ihre Mutter lüften können und wird auch sie ihre große Liebe leben können? Alles scheint in die entgegengesetzte Richtung zu deuten!

Am Anfang habe ich das Buch eher skeptisch in die Hand genommen, ich habe es nämlich unbedingt lesen wollen, weil ich alle Bücher von Nele Neuhaus bisher gelesen habe und nun ging es hier für mich zwangsläufig weiter. Es entspricht eigentlich nicht so ganz meinem bevorzugten Genre, dachte ich doch zu Anfang, es sei so ein „Jugend sitzt auf dem Land fest und die Schule ist das einzig aufregende“-Buch. Aber da hatte ich mich gründlich geirrt! Klar spielt hier eine Jugendliche die Hauptrolle und viele Dinge passieren innerhalb der Schule, aber das ist bei weitem nicht alles. Sheridans Leben ist derart verzwickt, dass man sie wahrlich darum nicht beneidet. Die Suche nach Liebe und Anerkennung betreibt sie mit solch einer getriebenen Lust, dass es einem in der Seele wehtut, dass nicht endlich jemand kommt, um dieses Mädchen vor sich selbst zu retten. Nele Löwenberg hat hier mit einer wahren Kunst alle psychologischen Register gezogen und man kann die Ängste und Nöte Sheridans förmlich spüren. Wenn sich dann langsam der Spannungsbogen nach oben dehnt, kann man gar nicht anders als an diesem Buch zu kleben! Man will es einfach nicht mehr aus der Hand legen, nicht unbedingt weil es so grenzenlos spannend ist, sondern weil man sich mit dem Mädchen irgendwie verbunden fühlt und herausbekommen möchte, ob sie ihren Seelenfrieden findet.

Dieses Buch ist sicher nicht zwangsläufig etwas für die Fans der Taunus-Krimi-Reihe, aber es ist ein Lesegenuss für alle die gerne Bücher lesen, bei denen nicht unbedingt der kriminalistische Spürsinn, wohl aber das psychologische Feingefühl gefragt ist!

Das Buch kann ich euch nur empfehlen, bei mir liegt schon der zweite Band und wartet auf seinen Auftritt!

Wenn ich euch neugierig gemacht habe, so könnt ihr das Buch auf der Verlagsseite, beim örtlichen Buchhandel und beim schon bekannten Bücherwurm erwerben!

Es grüßt euch aus der Sofaecke

Heike

 

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2 Gedanken zu “„Sommer der Wahrheit“ – von Nele Löwenberg

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