Mit der Bimmel durch Leipzig!

Wer sich für die Geschichte Leipzigs und insbesondere der Leipziger Straßenbahn interessiert, dem sei das folgende Buch ans Herz gelegt! Vielleicht gab es ja zu Weihnachten Büchergutscheine, die nun auf ihre Einlösung warten…?

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Kürzlich bekam ich die Gelegenheit, den schönen Text-Bild-Band „Die Leipziger Straßenbahn: Eine historische Rundfahrt“ von Andreas Martin zu rezensieren; er erschien 2013 im Lehmstedt Verlag. (Vielen Dank!)

Der 2003 gegründete Lehmstedt Verlag ist in Leipzig ansässig und verlegt hauptsächlich Werke zur Geschichte und Kultur Mitteldeutschlands. Das Spektrum reicht dabei von hochwertigen Fotobänden über Biographien und Memoiren bis hin zu Reiseführern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei natürlich auf der Leipziger Stadtgeschichte.

Bücher über die Leipziger Straßenbahn gibt es einige, Bildbände mit historischen Ansichtskarten ebenso. Das vorliegende Buch verbindet nun beide Genres: Vorgestellt werden Ansichtskarten, auf denen – mit wenigen Ausnahmen – Straßenbahnen oder zumindest Straßenbahngleise zu sehen sind.

Der Autor Andreas Martin ist Verkehrshistoriker und Ansichtskartensammler, von ihm liegt bereits ein ähnliches Werk über den Leipziger Promenadenring vor. Leider erfährt der Leser des Buches nichts über den Autor und seine Sammlungen, in den Texten wird aber das umfangreiche Spezialwissen des Autors zur Leipziger Verkehrsgeschichte deutlich.

In einer kurzen Einleitung wird zunächst die Geschichte der Leipziger Straßenbahn dargestellt, bevor im Hauptteil des Buches an die 300 historische Ansichtskarten vorgestellt werden, je zwei auf einer Seite. Die Ansichtskarten sind teils farbig, teils schwarz/weiß und umfassen einen Zeitraum von etwa 100 Jahren, vom Beginn des „Ansichtskartenbooms“ um 1890 bis zur späten DDR-Zeit. So ergibt sich ein buntes Kaleidoskop der Leipziger Straßenbahn- und Stadtgeschichte.

Gegliedert ist das Buch in acht Kapitel; dabei ist das erste Kapitel dem Stadtzentrum (um Augustusplatz, Markt und Hauptbahnhof) gewidmet, während die anschließenden Kapitel die Vorstädte und Vororte bis einschließlich Markkleeberg, Schkeuditz und Taucha behandeln. Jedem Kapitel ist ein – nicht immer ganz glücklich gewählter – Ausschnitt aus einem Stadtplan von 1913 vorangestellt, aus dem die damaligen Linienführungen der drei Leipziger Straßenbahnbetriebe hervorgehen. Den einzelnen Ansichtskarten ist jeweils ein mit viel Liebe zum Detail verfasster Erläuterungstext beigegeben, in dem näheres zu den abgebildeten Wagen, Straßenbahnlinien bzw. -trassen und Gebäuden oder auch zu den durchfahrenen Straßen und Plätzen nachzulesen ist. Manchmal wird dabei nicht ganz deutlich, ob sich die Beschreibung auf die Situation von 1913 oder auf das Erscheinungsjahr der Karte bezieht. Dass hier und da einzelne Fehler vorkommen, ist bei der Fülle des zu verarbeitenden Materials kaum zu vermeiden. Diese kleinen Schwächen schmälern den Wert des Buches insgesamt jedoch kaum.

Wer sich etwas für die Leipziger Stadtgeschichte interessiert, dem werden jedenfalls viele interessante Einzelheiten nahegebracht oder in Erinnerung gerufen. So ist aus heutiger Sicht kaum zu glauben, dass es bis zum Ersten Weltkrieg zwei große Straßenbahn-Gesellschaften gab, die sich auf unterschiedlichen Strecken Konkurrenz machten! Hinzu kam die Leipziger Außenbahn, deren drei Linien nicht etwa mit Buchstaben oder Zahlen, sondern mit eigenartigen Symbolen – einer „Zwirnsrolle“, einem Dreieck (genannt „Meierkelle“) und einem sechszackigen Stern – gekennzeichnet waren.

Dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten einige Straßenbahnstrecken stillgelegt wurden, ist ja wohlbekannt; erst vor wenigen Wochen fuhr auf der ehemaligen „Sternbahn“ nach Markkleeberg-West der letzte Wagenzug. Aber wer kann sich heute noch vorstellen, dass sich an der Grimmaischen Straße und am Neumarkt nicht weniger als acht Straßenbahnlinien kreuzten? Auch im Umkreis des Hauptbahnhofes gab es kaum eine Straße oder Gasse, die nicht von Straßenbahngleisen durchzogen war.

Interessant sind natürlich auch die abgebildeten Gebäude, die ja heute zum großen Teil nicht mehr existieren. Dies ist nicht nur auf die umfangreichen Verluste im Zweiten Weltkrieg zurückzuführen, auch zu DDR-Zeiten oder nach der Wende wurden etliche Bauten abgerissen, so zum Beispiel Universität und Paulinerkirche, die Grüne Schänke oder das alte Warenhaus am Brühl.

Den Abschluss des Buches bildet ein Register, in dem zum einen alle abgebildeten Straßenbahnlinien, zum anderen die Stadtteile, Straßen und Plätze, Gebäude etc. aufgeführt sind.

Alles in allem ist das Buch eine wahre Fundgrube zur Leipziger Verkehrsgeschichte. Beim Durchblättern kann man manch schöne Stunde verbringen, schließlich kommen jetzt die langen Winterabende! Erhältlich ist es im gut sortierten Buchhandel.

Es grüßt euch vom Schreibtisch

Frank

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