Die Provence – kriminalistisch: Roter Lavendel

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Heute habe ich etwas besonderes für euch. Ein Provence-Special! Parallel erscheinen eine Rezension von mir zu Ralf Nestmeyers „Roter Lavendel“ und eine Rezension von meinem Mann zu Ralf Nestmeyers Reiseführer „Provence – Côte d’Azur“ und Wanderführer „Provence“, erschienen im Michael Müller Verlag.

Ein Reisejournalist, der Krimis schreibt – ich glaube, das gibt es auch nicht all zu oft. Ralf Nestmeyer, der schon als Reiseführerautor bekannt ist (Frankreich, England u.a.), hat den Schritt gewagt und einen Provence-Krimi geschrieben.

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„Roter Lavendel“ ist ein Krimi, der in und um Avignon spielt. Er handelt von einem Modefotografen aus Deutschland, der genug von Models und Schickimicki hat und für einen Freund einen Auftrag in der Provence übernimmt: Lavendelfelder für einen Kalender fotografieren. Wer schon einmal in der Provence war, der lässt sich dieses Angebot nicht entgehen und so verbindet er Angenehmes mit Nützlichem und fährt nach Avignon. Er will auf dieser Reise nicht nur Lavendel fotografieren, sondern sich auch darüber klar werden, wie sein Leben weiter gehen soll. Schon auf der Fahrt lernt er einen älteren Franzosen kennen, den eine dringende Familienangelegenheit in die Provence treibt. Im gleichen Hotel untergekommen, kommen sie schnell in Kontakt und Michel Perras erzählt dem Fotografen die Geschichte seiner Kindheit, die sich nicht auf der Sonnenseite des Lebens abspielte. Trotzdem ist er verwundert, als der ältere Herr an die Tür klopft und ihm ein Päckchen mit Dokumenten zur Aufbewahrung übergibt. Er würde sie sehr bald wieder abholen. Aber er kommt nicht. Am nächsten Tag auch nicht, und die Suche nach ihm ist erfolglos. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Dokumente mitzunehmen.

Der Startpunkt seiner Fototouren soll das Haus von Carla sein, einer Freundin aus Studienzeiten. Von hier aus will er die Provence erkunden und viele wunderbare Bilder für den Kalender machen. Aber so recht gehen ihm die Dokumente nicht aus dem Kopf und er öffnet das Päckchen. Er findet Briefe und Fotos aus längst vergangenen Tagen. Von da an ist er mitten drin in einer Geschichte um den französischen Widerstandskampf gegen die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg.

Feindliche Ausländer wurden nach Beginn des Krieges inhaftiert und in Lager gesteckt. Eines dieser Lager lag in Les Milles, einem Ortsteil von Aix-en-Provence, das Camp des Milles in einer alten Ziegelei. Viele deutschen Intellektuelle, Juden, Kommunisten und Künstler wurden dort gefangen gehalten, unter ihnen beispielsweise auch Lion Feuchtwanger und Golo Mann.

Dieses Lager scheint irgendwie Dreh- und Angelpunkt der Geschichte zu sein. Immer tiefer recherchiert der Fotograf und macht sich auf die Suche nach einem vor langer Zeit verschwundenen Mann. Wurde er ermordet oder kam er im Lager ums Leben? Kann der Fotograf die komplizierte Familiengeschichte des Michel Perras entwirren?

Wer einmal die Provence besucht hat, weiß, das Avignon zu den schönsten Städten Frankreichs gehört und ein Krimi, angesiedelt in dem pittoresken Flair dieser Stadt einfach etwas besonderes sein muss. So auch der Krimi von Ralf Nestmeyer. Man begibt sich mit dem Erzähler auf eine Reise, die man förmlich vor seinen Augen hat. Dunkle Gassen im Schatten des Palais des Papes, blühende Lavendellandschaften und die sonnendurchflutete Landschaft der Provence lassen einen ins Träumen kommen und machen Lust auf Urlaub! Man schmeckt das wunderbare Milchlamm oder die leckersten Salamis förmlich selbst auf der Zunge. Hier merkt man die besondere Feder des Reisejournalisten. Wer noch nie die Landschaft der Provence und die blühenden Lavendelfelder gesehen hat, wer noch nie frisches Baguette mit leckerstem Käse in einem kleinen französischem Restaurant gegessen hat, ein butterig-weiches Croissant und einem tiefdunkelschwarzen Espresso in einem Straßencafé genossen hat, der hat nach diesem Buch nicht nur Lust darauf, sondern will das möglichst schnell selbst erleben.

Die Handlung des Krimis hat mich nicht ganz überzeugt, war mir persönlich das Ende doch etwas zu wirr. Wer eine klassische Krimihandlung erwartet, wird enttäuscht.Die Krimihandlung ist eher der Aufhänger, um die geschichtliche Seite der damaligen Zeit zu beleuchten. Das macht das Buch aber nicht schlechter, sondern durchaus sehr interessant, aber eben nicht für jemanden, der einen waschechten Krimi sucht. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch verschlungen und nach zwei Tagen war es leider schon zu Ende. Gerne wäre ich noch ein bissel mit Herrn Nestmeyer durch die Provence geschlendert! 😉

Nicht nur für Liebhaber dieses wunderbaren Fleckchens in Frankreich ist dieses Buch absolut lesenswert, auch für Fans der etwas politisch gefärbten Krimiliteratur ist es zu empfehlen. Ich freue mich auf jeden Fall schon darauf, wenn es einen weiteren Krimi aus der Feder des bekannten Reisejournalisten geben wird, gerne auch wieder in Frankreich spielend, aber Herr Nestmeyer hat ja schon viele Ecken der Welt bereist. Wie wäre es da mit einem schönen Krimi, angesiedelt an der wunderbaren Südküste von England?

Wenn ihr nun Lust auf Mehr (Meer?) von Ralf Nestmeyer habt, dann schaut doch mal auf der Website.

Was speziell die wunderbaren Reiseführer bestrifft, seid ihr hier genau richtig!

Wenn ihr mehr über die Provence-Reiseführer erfahren wollt, dann schaut doch mal an Franks Schreibtisch vorbei!

An dieser Stelle möchte ich mich beim Emons Verlag bedanken, der mir freundlicherweise das Buch zur Verfügung gestellt hat, und bei Herrn Kröner vom Michael Müller Verlag, der mir den Kontakt zu Herrn Nestmeyer vermittelt hat!

Erwerben könnt ihr das Buch selbstverständlich auch und wie ich finde, solltet ihr das unbedingt! Entweder auf der Seite des Emons Verlags oder bei eurem lokalen Bücherdealer!

Es grüßt euch aus der Sofaecke

Heike

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